Nationalmannschaft

Was gibt es Neues?

Niedersächsisches Trio auf dem Weg nach Rotterdam

Nach gut einem Jahr voller Irrungen und Wirrungen wird es kommenden Sonntag nun endlich ernst: Deutschlands Wasserballer kämpfen beim weltweiten Olympiaqualifikationsturnier in Rotterdam (Niederlande/14. bis 21. Februar) um die letzten drei von lediglich zwölf Tokio-Startplätzen. Mit Spielführer Julian Real, Torhüter Moritz Schenkel und Linkshänder Fynn Schütze sind aus dem Landesschwimmverband Niedersachsen (LSN) auch drei Akteure des deutschen Meisters Waspo 98 Hannover im Aufgebot des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) vertreten. Nach einer fünfwöchigen finalen Vorbereitung seit dem Jahreswechsel trifft die DSV-Auswahl in der niederländischen Hafenstadt am Sonntag in ihrer ersten von fünf Vorrundenpartien von 16 Uhr an auf Gastgeber Niederlande (live auf „FINA TV“).

Nicht nur das zurückliegende Kalenderjahr, sondern auch die seit Anfang Januar laufende finale Vorbereitung auf das Zwölf-Nationen-Turnier wurden zu einem Weg der Irrungen und Wirrungen. Bundestrainer Hagen Stamm (Berlin) muss bei der Neuauflage der Veranstaltung, die bereits im März 2020 zur Austragung hätte kommen sollen, aus unterschiedlichen Gründen auf gleich vier seiner 13 WM-Teilnehmer von 2019 verzichten, als die DSV-Auswahl in Gwangju (Südkorea) den achten Platz belegen konnte – hochgerechnet auf den Qualifikationsmodus hätte diese Leistung für einen Tokio-Startplatz gereicht. „Das ist für uns schon ein Rückschlag“, sagt Stamm, der seit Jahresbeginn auf gleich vier Lehrgängen in Warendorf mit der dortigen 50-Meter-Schwimmhalle der Bundeswehr zumindest ausgiebig testen konnte. Das Turnier bleibt allerdings ein sportliches Himmelfahrtskommando: Als Favoriten für die drei Tokio-Tickets gelten die drei großen Wasserball-Nationen Kroatien, Montenegro und Griechenland,

Anteil an den Irrungen und Wirrungen der vergangenen Wochen hatten in verschiedener Form mehrfach auch die Aktiven der Waspo 98 Hannover: Mit Tobias Preuß und dem zweiten Torhüter Kevin Götz mussten gleich zwei niedersächsische WM-Teilnehmer verletzungsbedingt die Rotterdam-Vorbereitung vorzeitig abbrechen. Überraschend kam unter der Woche dann aber die Nominierung von Linkshänder Fynn Schütze, der erst zwei Monate zuvor bei einem Europapokalspiel in Budapest (Ungarn) einen Handbruch erlitten hatte. Der 22-Jährige war auf den Vorbereitungsmaßnahmen daher gar nicht erst vertreten gewesen, konnte allerdings bei den Testspielen seines Vereinsteams Waspo 98 Hannover gegen die DSV-Auswahl überzeugen. Während Julian Real und Moritz Schenkel schon seit Jahren zu den festen Größen in der Nationalmannschaft zählen, ist es für den Neffen des 1989er-Europameisters Dirk Schütze die erste Teilnahme an einem großen Turnier im Erwachsenbereich.

 

Waspo 98 springt zweimal ein

Bei den beiden letzten der vier Vorbereitungslehrgänge mussten zudem die verbliebenen Aktiven der Waspo 98 gleich zweimal als Sparringspartner für die deutsche Auswahl einspringen: In der letzten Januar-Woche hatte der DSV angesichts gestiegener Corona-Zahlen Trainingsmaßnahmen und Turnierspiele in Montenegro abgesagt und durch weitere Trainingsmaßnahmen in Warendorf ersetzt. Beim Abschlusslehrgang wurde vor Wochenfrist durch die jüngsten Vorordnungen der Bundesregierung der Auswahl Brasiliens die Einreise untersagt – Waspo98-Trainer Karsten Seehafer und seine Mannen sprangen erneut ein.

Die personellen Ausfälle und die Umstellung gelten als Rückschlag, allerdings konnte die teilweise neuformierte DSV-Auswahl bei den vier Lehrgängen in Warendorf als Mannschaft wachsen. „Wir sind ein noch besseres Team als vorher“, sagte Julian Real in einem Interview des DSV-Portals „Road to Tokyo“. Bei den Maßnahmen in der Sportschule der Bundeswehr konnte die deutsche Auswahl, zu der auch Niclas Schipper (Waspo 98 Hannover) aus dem Perspektivspielerkader des DSV eingeladen worden war, sich unter guten Bedingungen vorbereiten. In der dortigen „Blase“ konnte zugleich das Hygienekonzept des Verbandes bestens umgesetzt werden, was der deutschen Auswahl in Rotterdam noch zum Vorteil gereichen könnte.

Gespielt wird bei dem Zwölf-Nationen-Turnier in der niederländischen Hafenstadt täglich: Nach der Auftaktpartie gegen den Gastgeber trifft die DSV-Auswahl auf Frankreich (Montag, 14:30 Uhr), Russland (Dienstag, 17:30 Uhr), Rumänien (Mittwoch, 13 Uhr) und der Olympiaweite Kroatien (Donnerstag, 20:30 Uhr). Für den Einzug in die am 19. Februar startenden K.o.-Spiele ist ein als Zwischenstation ein vierter Platz gefordert. „Wir haben jeden Tag ein Endspiel“, sagt Stamm, dessen Team durchweg auf spielstarke europäische Teams trifft. Mit Frank Ohme (Hemmingen-Westerfeld) kommt der deutsche Schiedsrichter bei diesen Turnier ebenfalls aus Niedersachsen. Der Weltschwimmverband bietet über einen Bezahlkanal einen Livestream aller Partien, Zuschauer sind in der Schwimmhalle nach einem Erlass der niederländischen Regierung jedoch nicht zugelassen.

 

Olympiaqualifikationsturnier 2020 in Rotterdam (Niederlande)

Team Deutschland

Marko Stamm, Lucas Gielen, Marin Restovic, Denis Strelezkij, Maurice Jüngling, Mateo Cuk, Aleks Sekulic (alle Wasserfreunde Spandau 04), Julian Real, Moritz Schenkel, Fynn Schütze (Waspo 98 Hannover), Hannes Schulz, Florian Thom (OSC Potsdam), Timo van der Bosch (SV Ludwigsburg), Zoran Bozic (SSV Esslingen) und Mark Gansen (ASC Duisburg)
Auf Abruf: Felix Benke (White Sharks Hannover)

Trainerteam: Hagen Stamm, Petar Kovacevic
Arzt und Hygienebeauftragter: Dr. Lars Götz
Videotrainer und organisatorischer Leiter: Dirk Hohenstein
Torwarttrainer: Peter Röhle
Athletiktrainer: Stephan Bischoff
Physiotherapeutin: Dirk Brinkmann und Sandra Passenberg

 

Auszug Spielplan

Sonntag, den 14. Februar 2021
16:00 Niederlande – Deutschland

Montag, den 15. Februar 2021
14:30 Deutschland – Frankreich

Dienstag, den 16. Februar 2021
17:30 Russland – Deutschland

Mittwoch, den 17. Februar 2021
13:00 Rumänien – Deutschland

Donnerstag, den 18. Februar 2021
20:30 Kroatien – Deutschland

Freitag, den 19. Februar 2021
ab 14:00 Uhr Viertelfinale

Sonnabend, den 20. Februar 2021
ab 14:00 Uhr Platzierungsspiele 5/8 und Halbfinale

Sonntag, den 21. Februar 2021
ab 12:00 Uhr Platzierungs- und Medaillenspiele

Wettkampfstätte: Zwemcentrum, Annie M. G. Schmidtplein 8, 3083 NZ Rotterdam, Niederlande
Veranstaltungshomepage: www.oktwaterpolo2020.nl
Livestream: www.finatv.live/en (Bezahlschranke)