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Kroatien wendet die Götterdämmerung ab

Die Partie war geradezu episch, doch die drohende Götterdämmerung im Weltwasserball blieb aus: Nach Montenegro und Griechenland holte sich heute der zweimalige Weltmeister und 2012er-Goldmedaillengewinner Kroatien am Ende doch noch den letzten verbliebenen Startplatz bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio (Japan). Im Spiel um Platz drei beim Qualifikationsturnier in Rotterdam siegten die Spieler von der Adria nach einem 11:11-Unentschieden und insgesamt 30 (!) nachfolgenden Fünfmetern mit 25:24 gegen Russland und sind damit zum siebten Mal in Folge beim größten Ereignis des Weltsports dabei.

Der Kampf um Bronze und das letzte Olympiaticket sucht seinesgleichen in den Annalen der Sportart (zumindest seit Abschaffung der Verlängerungen), wobei sich selbst die reguläre Spielzeit nicht zu verstecken braucht. Die nervliche Anspannung beider Teams war allerdings verschiedentlich unübersehbar: So ließen die Akteure beispielsweise gleich mehrfach in Überzahl den Ball auf das Wasser fallen. Russland war nach einem zwischenzeitlich 2:4-Rückstand bis zum Seitenwechsel mit 7:6 in Führung gegangen, ehe dann Dimitrii Kholod vom deutschen Meister Wasserfreunde Spandau 04 zum tragischen Helden der Partie zu werden drohte. Beim zweiten Angriff des dritten Viertels verpasste er bei einem Strafwurf die große Chance zur 8:6-Führung, als der Ball in Uli-Hoeneß-Manier über das Tor segelte.

Russland musste stattdessen im Gegenzug den 7:7-Ausgleich hinnehmen und schwamm in der Folge zumeist einem Rückstand hinterher. Die Chancenverwertung beider Teams ließ nach, allerdings schied auf kroatischer Seite Defensivstratege Marko Macan vom deutschen Meister Waspo 98 Hannover fünf Minuten vor dem Spielende beim Stande von 9:8 mit dem dritten Persönlichen Fehler vorzeitig aus. Russland drohten die Felle davonzuschwimmen, doch 16 Sekunden vor dem Spielende war es ausgerechnet Kholod, der auf Vorlage von Ivan Nagaev (Waspo 98 Hannover) in Überzahl zum 11:11 ausglich. Beim Fünfmeterwerfen trafen Kholod wie auch Nagaev jeweils dreimal für ihr Team, doch im 29. von 30 Würfen scheiterte schließlich Roman Shepelev an Kroatiens Schlussmann Marko Bijac, und Routinier Josip Vrlic nutzte den ersten „Matchball“ seines Teams.

 

Favoriten holen Olympiatickets 

In dem sportlich eher nachrangigen Endspiel zwischen den beiden bereits tags zuvor qualifizierten Mannschaften siegte Montenegro nach einem zwischenzeitlichen 6:8-Rückstand (22.) dank eines starken Schlussviertels noch mit 10:9 gegen Griechenland. Es war dieser Tage nicht das erste Finalduell beider Teams: Die Rotterdam-Finalisten hatten schon am Anfang des Jahres beim europäischen Finalturnier der Weltliga-Qualifikation in Debrecen (Ungarn) gegen noch hochkarätigere Konkurrenz an der Spitze gelegen. Der deutsche Schiedsrichter Frank Ohme (Hemmingen-Westerfeld) leitete zusammen mit dem Franzosen Sebastien Dervieux das heutige Finalspiel.

Mit der dramatischen Niederlage verpasste die Auswahl Russlands, zuletzt 2000 und 2004 sogar zweimaliger Medaillengewinner, trotz einer starken Vorstellung bereits zum vierten Mal in Folge das größte Ereignis des Weltsports und sieht sich einer noch längeren Leidensstrecke gegenüber als die DSV-Auswahl, die in Rotterdam bereits in der Vorrunde ohne Punktgewinn ausgeschieden war. Kroatien schaffte dagegen nach der Abspaltung von Jugoslawien auch beim siebten Anlauf die Olympiaqualifikation, musste in Rotterdam allerdings leiden wie noch nie. Letztlich holten sich mit Montenegro, Griechenland und Kroatien die drei im Vorfeld ausgemachten Favoriten die Olympiatickets, so dass elf der zwölf Teilnehmer von 2016 auch in der japanischen Hauptstadt wieder ins Wasser steigen werden.

Im Spiel um Platz fünf des Rotterdamer Turniers setzten sich die Niederlande mit 10:9 gegen Frankreich durch und holten aus den acht Rotterdam-Spielen immerhin drei Siege und ein Unentschieden gegen international hochkarätige Konkurrenz. Beim EM-Turnier 2020 in Budapest (Ungarn) hatte der Nachbar noch auf Rang 15 gelegen. Die Liste außereuropäischer Spielerfolge setzte der international aufstrebende EM-Zehnte Georgien fort, der in der Partie um Rang sieben mit 18:10 gegen Kanada erfolgreich blieb. Das Team vom Kaukasus ist im Sommer auch Ausrichter des Weltliga-Finales 2020. Von den in Rotterdam noch als Außenseiter angereisten Georgiern liegt zudem die Kampfansage vor, 2024 einen Angriff auf die Olympiaplätze unternehmen zu wollen.

 

Olympiaqualifikationsturnier 2020 in Rotterdam (Niederlande)

Resultate Finaltag 

Sonntag, den 21. Februar 2021
10:00 Georgien – Kanada 18:10 (4:2, 8:3, 3:2, 3:3) – Spiel um Platz 7
12:00 Niederlande – Frankreich 10:9 (4:2, 1:3, 0:3, 5:1) – Spiel um Platz 5
14:00 Kroatien – Russland 25:24 (4:3, 2:4, 3:1, 2:3/14:13) nach Fünfmeterwerfen – Spiel um Platz 3
16:00 Montenegro – Griechenland 10:9 (2:3, 3:3, 1:2, 4:1) – Finale

Wettkampfstätte: Zwemcentrum, Annie M. G. Schmidtplein 8, 3083 NZ Rotterdam, Niederlande (Zuschauer nicht zugelassen) 
Veranstaltungshomepage: www.oktwaterpolo2020.nl
Livestream: www.finatv.live/en (Bezahlschranke)

 

Endstand

1. Montenegro – qualifiziert
2. Griechenland – qualifiziert
3. Kroatien – qualifiziert
4. Russland
5. Niederlande
6. Frankreich
7. Georgien
8. Kanada
9. Rumänien
10. Brasilien
11. Deutschland