Was gibt es Neues?

Immer schön negativ bleiben

Beim Blick auf die zahlreichen Ausrichtungen von Wasserball-Großveranstaltungen der Potsdam Orcas in den letzten Jahren verwundert es kaum, dass nun auch der erste überregionale Wettbewerb nach der langen Corona-Pause im Potsdamer Sportbad „blu“ zur Austragung kommen wird. Am nächsten Wochenende empfängt die Mannschaft von Trainer Alexander Tchigir die Teams des ASC Duisburg, SV Ludwigsburg und der White Sharks Hannover zum Qualifikationsturnier um die Halbfinalteilnahme der deutschen Wasserball-Meisterschaft 2020.

Neben diesem Quartett entschieden sich noch die direkt fürs Halbfinale gesetzten Spitzenteams der Wasserfreunde Spandau 04 und Waspo 98 Hannover für eine Fortsetzung der alten Saison, die allerdings keine echte Fortsetzung ist. Nach der coronabedingten Unterbrechung Mitte März wurde erst im Juli durch alle 16 DWL-Vereine der Männer entschieden, die alte Saison abzubrechen. „Die Situation war recht zerfahren“, erinnert sich André Laube, sportlicher Leiter der Orcas. „Einige Klubs wollten weiterspielen, andere abbrechen, wieder andere hatten Angst vor haftungsrechtlichen Folgen. Am Ende gab es bei all diesen vollkommen berechtigten Interessen nur die Lösung, einen Haken unter die Saison zu machen.“

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) hatte zu diesem Zeitpunkt aber bereits angedeutet, unter seiner Regie in einem neuen Wettbewerb den deutschen Meister und Pokalsieger 2020 im August und September zu ermitteln und ein entsprechendes Hygienekonzept zu entwickeln. „Wir waren von Beginn an recht entschlossen, weiterzuspielen, haben aber auch unsere Spieler in den Entscheidungsprozess mit eingebunden“, so Laube. Immerhin sechs Vereine aus der abgebrochenen Pro-A-Runde haben sich für einen Start entschieden, während die zehn übrigen Vereine im kommenden Jahr in der Wasserball-Bundesliga dabei sein werden.

Besonders stolz ist der OSC-Macher, dass alle Akteure, die noch bis zum letzten Pflichtspiel am 9. Februar an Bord waren, weiterhin dem Verein die Treue gehalten haben. „Das spricht sicher auch für unser Krisenmanagement während der Pause und den Umgang mit den Spielern währenddessen, wo sich vor allem unser Hauptsponsor Andreas Ehrl und der Förderverein absolut hervorgetan haben“, ist Laube dankbar. So soll zu 95 Prozent mit dem gleichen Team wie vor der Corona-Pause an den Start gegangen werden. „Wie das bei der Konkurrenz aussieht, wird sich zeigen. Seit August darf national und international gewechselt werden.“

Laubes Gedanken drehen sich derzeit aber gar nicht so sehr um die sportliche Konkurrenzfähigkeit „seiner“ Orcas: „Da mache ich mir keine großen Sorgen. Die Jungs arbeiten inklusive einer zweiwöchigen Pause Ende Juni bereits seit Mitte Mai sehr hart und sind fit.“ Dieses große Investment der Spieler solle sich nun aber auch auszahlen: „Wird ein Aktiver positiv getestet, ist die gesamte Mannschaft zunächst einmal raus. Bei dem knappen Zeitfenster, das zur Ermittlung des Meisters und der Platzierten zur Verfügung steht, gibt es eigentlich keine Chance, etwas nachzuholen.“

Wichtigster Bestandteil des DSV-Hygienekonzeptes ist die Testung aller teilnehmenden Spieler und Trainer unmittelbar vor dem Wettkampf. „In dieser Phase der Pandemie ist das wohl unumgänglich und richtig“, sagt Laube, der zusammen mit Mannschaftsarzt Dr. Lars Götz das Prozedere organisiert. Mit dem St. Marien-Krankenhaus Berlin, wo Götz als Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie arbeitet, konnte zunächst für die Phase des Re-Starts bis Ende September ein Partner gefunden werden, der die Tests vornimmt und die Kosten hälftig übernimmt. „Das bedeutet für uns eine riesige Entlastung, und wir sind äußerst dankbar“, sagt Laube. Auch sonst werde alles für das Turnier getan, um die größtmögliche Sicherheit der Spieler, Schiedsrichter und Helfer zu gewährleisten. Dank gelte laut Laube da vor allem der Bäderlandschaft Potsdam und dessen engagiertem Badbetriebsleiter Björn Meding. „Langsam entwickle ich ein gutes Gefühl, dass wir alles gut und sicher hinbekommen.“

An Stimmung von der Tribüne werde es aber ganz sicher fehlen. Ob und wie viele Zuschauer zugelassen werden, wollen die Organisatoren erst zwei Tage vor der Veranstaltung nach einem Termin beim Potsdamer Gesundheitsamt fällen. „Ich denke, wir haben ein gutes Konzept, mit dem wir zirka 75 Fans auf die Tribüne lassen können. Besser als nichts!“ Sportlich gleicht das Turnier einem Husarenritt. „Unsere Vorleistung mit der besten Hauptrunde aller Zeiten ist im Grunde nichts wert“, beschreibt Trainer Alexander Tchigir. „Wir beginnen bei null und eigentlich direkt mit den wichtigsten Spielen der Saison.“ Alles könne in solch einem Turnier passieren. Mindestens der zweite Rang ist gefordert, um ins Halbfinale, wo dann Spandau 04 oder Waspo 98 warten, zu kommen und im Medaillenrennen zu bleiben. Der Dritt- und Viertplatzierte spielt lediglich noch um den fünften Platz. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen und unsere Form vom Anfang des Jahres bestätigen“, so Tchigir.

Zum Auftakt muss der OSC Potsdam am kommenden Sonnabend, 13:15 Uhr, gegen die White Sharks Hannover ran; dann geht es 20:20 Uhr gegen den SV Ludwigsburg. Sonntag wartet dann schließlich der ASC Duisburg. Welch harte Aufgabe das ist, zeigen die Ergebnisse der abgebrochenen Saison aus Potsdamer Sicht: Hannover (daheim 9:8, auswärts nicht stattgefunden), SV Ludwigsburg (daheim 16:9, auswärts 12:14), ASC Duisburg (daheim 18:16, auswärts 17:19). Aber vor dem sportlichen Aufeinandertreffen steht zunächst nur eines im Vordergrund: Immer schön (corona)negativ bleiben …